Eindrücke David Teil 3

Tee und Plätzchen
Tee und Plätzchen

Tag 9 (01.04) Rychnov-Briscek

Distanz: 41,58 km

 

Das für 7 Uhr ausgemachte Frühstück ließ leider noch bis 7.30 Uhr auf sich warten. Dafür gab es aber gute Kost, bestehend aus Ei mit Schinken, O-Saft und Kaffee. Das Fahrradfahren fiel mir schon auf den ersten Kilometern schwer. Es fühlte sich an, als würde bei jedem Tritt irgendwer mit einem Messer in meinem Knie rumstochern und es wurde immer schlimmer. Bei einer Ortseinfahrt, gab ich mit meiner Hupe zu verstehen, dass ich eine Pause bräuchte. Da saß ich nun, wie ein Häufchen Elend im Gras. Martin versuchte den Muskel zu massieren, was höllisch weh tat. Ich musste dabei leicht aufschreien, was die Aufmerksamkeit der dort ansässigen Bewohner auf uns zog. Ein Mann erkundigte sich, ob alles in Ordnung wäre und wo wir denn hin wollten. Als ich ihm von unseren Zielen erzählte, winkte er uns sofort rein, um für eine Pause bei ihm einzukehren. Seine Frau brachte uns Tee und Plätzchen, dabei berichteten wir von unserer Tour. Er zeigte uns stolz sein altes Rennrad und wir wurden überredet noch zum Essen zu bleiben. Gerne nahmen wir die Einladung an. Es gab überbackenen Blumenkohl, Kartoffeln, diverses Gemüse und eine lokale Soße. Köstlich! Wir bedankten uns und starteten zurück auf unsere Tour. Leider ging es bei mir nicht so gut voran und wir entschieden uns hinter dem nächsten Dorf zu zelten. Dort fanden wir, unterhalb eines kleinen Waldes, eine Wiese, die von der Straße aus nicht sichtbar war. Wir genossen noch ein paar Sonnenstrahlen, bevor es Abendbrot gab und wir uns danach in unsere Zelte verkrochen.

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Jana (Pensionsbesitzerin) und Physiotherapeutin
Jana (Pensionsbesitzerin) und Physiotherapeutin

Tag 10 (02.04) Briscek- Olomouc

Distanz: 80,73 km

 

Die Schmerzen schienen zunächst verflogen und so radelten wir über die letzten Anstiege. Gegen Mittag ging es wieder los. Obwohl alles flach war und kaum anstrengend, meldete mein Knie, dass es nicht mehr gewillt war, bis Istanbul zu radeln...ich schon! Ich quälte mich im Windschatten von Martin bis nach Olomouc. Am Eingang der Stadt konnte ich nicht einmal einen Rentner auf seinem klapprigen Fahrrad abschütteln, der es sich in meinem Windschatten bequem machte. Martin hatte uns eine Pension raus gesucht, um in der Stadt mein Knie gleich am nächsten Tag behandeln zu lassen. Wir beratschlagten darüber unsere Wege zu trennen, da es im Moment keinen Sinn machte weiter zu fahren. Die Besitzerin der Pension sah mich humpeln und erkundigte sich ob alles in Ordnung wäre. Ich erzählte ihr mein Leiden und erkundigte mich nach einer Physiotherapie. Was darauf geschah war unglaublich. Sie telefonierte sofort los und organisierte mir an einem Sonntagabend, einen Privattermin bei einer Physiotherapeutin zu Hause und fuhr mich auch noch dort hin. Mein Bein bekam ein Tape und zu meiner Freude die Erlaubnis, dass ich es mit dem Fahrradfahren ruhig mal probieren dürfe. Allerdings würde das Tape, durch die Haare an meinem Bein, nicht sehr lange halten. Prophylaktisch gab es gleich noch ein Tape für das linke Bein, da ich dort am Anfang der Tour die Schmerzen hatte. Die private Behandlung + 2 Tapes kostete mich nur 600 Kronen (ca. 22 Euro), was nicht nur für die Umstände, ein mehr als fairer Preis war. Einfach nur toll, wenn man so hilfsbereite Menschen trifft.

Reparatur eines platten Reifens
Reparatur eines platten Reifens

Tag 11 (04.04) Olomouc-Macov

Distanz: 118,17 km (neuer persönlicher Rekord)

 

Das Tape wirkte tatsächlich Wunder und ich konnte ohne Schmerzen fahren. Die Etappe war ziemlich flach und wir kamen schnell voran. Auf dem Weg sahen wir einen Radfahrer mit plattem Reifen. Wir hielten an und waren froh auch einmal helfen zu dürfen. In einem Fahrradladen ließ sich Martin, von einem World Cup Downhillfahrer, neue Lenkergriffe montieren und ich kaufte in der Zeit eine kleine Angel mit nötigem Zubehör. Wir schafften es bis zum Abend die Grenze zu überqueren. Der Anstieg war endlos lang. Am Gipfel angelangt, freuten wir uns auf das nächste Land, die Slowakei. In Macov versuchten wir ein Platz zum Angeln zu finden. Fehlanzeige! Was auf der Karte nach einem Flussarm aussah, entpuppte sich als ein kleiner Bach. Vielleicht würden wir am nächsten Tag mehr Glück haben...

Arztpraxis Zilina
Arztpraxis Zilina

Tag 12 (05.04) Macov-Ruzomberok

Distanz: 118,09 km

 

Inzwischen hatte ich mich super an das Zelten gewöhnt und konnte ohne Probleme durch schlafen. Martin schlief sogar ohne Zelt unter freiem Himmel. Gleich am ersten Anstieg fiel mir auf, dass das Tape nicht mehr ordentlich hielt. Es kam was kommen musste, am Ende des ersten Anstieges waren die Schmerzen wieder da. Das durfte doch einfach nicht wahr sein. Da es nun erstmal runter ging, ließen wir uns erstmal rollen und fuhren langsam nach Zilina, wo ich in einer Apotheke Tape kaufte und mich nach der nächsten Physiotherapiepraxis erkundigte. Die Apothekerin verstand zwar weder Englisch noch Deutsch, aber hatte einen Computer. Mit Hilfe von einem Translater funktionierte die Kommunikation gut...so schien es zumindest. Sie bat mich ihr zu folgen und sie brachte mich ins nächste Haus zu einer Praxis. Dem Schild konnte ich entnehmen, dass es sich um einen slowakischen Knocheneinrenker (Chiropraktiker) handelte. Die Praxis hatte leider noch nicht geöffnet, es gab aber eine Telefonnummer. Ich hatte Glück. Der Mann am anderen Ende konnte Deutsch. Er sagte, ich solle vor seiner Praxis warten und er würde sehen was er für mich tun könne. Eine Stunde später war er dann da und nahm mich gleich als erstes dran. Ich kann so viel sagen, es knackte mehrmals und ich hing teilweise mit dem Kopf kurz über Boden auf einer Liege, wo meine Füße festgeklemmt waren. Es ging dem Knie nach der Behandlung aber wirklich besser. Diesmal kostete die Behandlung 50 Euro, wobei das Geld ziemlich schnell in die Tasche des Chiropraktikers verschwand. Trotz der verlorenen 2 Stunden kamen wir fast so weit, wie am Vortag. Wir bauten unser Camp an einem Flussufer auf und wollten endlich die gekaufte Angel ausprobieren. Während ich mein Zelt aufbaute, hatte Martin einen Biss. Es war tatsächlich ein Fisch an der Angel. Leider verfing sich die dünne Schnur in einem Stein und riss durch.  

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